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Zu Gast bei Tuning-Freaks auf der Autocross-Strecke in Frohburg

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Auf der Autocross-Rennstrecke in Frohburg fahren sich die Autofreaks vom HMF Tuning Team warm für das große Rennen am Wochenende. Was sie daran lieben?
 Den Geruch von Benzin und den Geschmack von Freiheit.

von Anna Flora Schade

 

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... 150 PS und 1800 Liter Hubraum, umgebautes Fahrwerk, ein aufheulender Motor, durchdrehende Räder, dann ist der Ford Fiesta von Robert Kraft hinter der engen Kurve verschwunden und hinterlässt nur noch eine sandige Staubwolke.
   

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Die Jungs von HMF Tuning

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Robert Kraft, Marcus Wolf und Heiko Sauppe (v.l.) sind stolz auf ihre Autos.
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Am Moto-Cross-Weg 1 in Frohburg, jenseits einer Siedlung, wo sich Einfamilienhäuser mit hübschen Vorgärten die kleinen Straßen entlang reihen und glänzende Familienvans unter Carports parken, beginnt eine andere Freiheit: löchriger Rasen, Sandhügel, enge Ackerwege und Betonmauern, diese 900 Meter Naturrennstrecke sind das Biotop des HMF Tuning Teams.

Hier fahren sich Robert Kraft (30), Marcus Wolf (31) und Heiko Sauppe (43) vom HMF Tuning Team warm für das große Rennen am Wochenende.  HMF, das steht für „Hammer-Meißel-Flex“. Es sind die Werkzeuge, die die Autobastler am häufigsten in den Händen halten. Die Freude am Basteln eint die drei Fahrer dabei ebenso wie der Geschmack der Freiheit zwischen Benzingeruch und Staub -  und das Wissen um wertvolle Unterstützung.

Fünf Stunden kann Robert Kraft schon mal in der Werkstatt verbringen, und dann ist er aber auch noch Vater von zwei Kindern. „Erst kommt die Familie und dann kommen die Autos“, sagt er klar. Neben ihm dröhnt der Motor unter der offenen Haube seines Ford Fiestas. Der 30-Jährige trägt robuste grauschwarze Arbeitskleidung. Schwarz ist auch sein Auto, neongrüne die Rückspiegel. Über die fensterlosen Seitentüren blickt man ins Innere, Stoßstange, Scheinwerfer und Sitze gibt es nicht mehr. Die Innenausstattung ist auf ein Minimum reduziert. „Alles, was kaputt gehen kann, muss raus“, erklärt Robert Kraft sachlich.

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Robert Kraft, Marcus Wolf und Heiko Sauppe (v.l.) sind stolz auf ihre Autos.
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Über Ebay-Kleinanzeigen hat er den Ford Fiesta klar gemacht, 350 Euro bezahlt und ihn aus dem Erzgebirge nach Frauendorf geholt. Auf dem Anhänger versteht sich, denn durch den TÜV kommt dieser Kleinwagen nicht mehr. Macht aber nichts, sein Schicksal ist ein anderes.  

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Das erste Autocross-Rennen der DDR fand in Frohburg 1976 statt.
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Der Motorsport war einmal groß hier im Frohburger Eck. Bis 1972 traten sogar Rennfahrer aus dem kapitalistischen Ausland gegen die Motorsport-Elite der DDR an, allerdings auf Asphalt. Das Geländerennen gewann hier, aus England kommend, erst später an Bedeutung. 1976 fand die erste Autocross-Veranstaltung der DDR in Frohburg statt.

Eine blaue Broschüre über die fast 70-jährigen Motorsportgeschichte erzählt stolz von diesem Kapitel. Der Finger von Tobias Torke zeigt auf schwarz-weiß Bilder von springenden Jeeps und Fahrer in weißen Helmen und Fliegerbrille. Torke ist als Vertreter der Ostdeutschen Autocross Masters zur Rennstrecke an den Kaplanberg gekommen. Der Verein mit Sitz in Kohren-Sahlis veranstaltet solche Wettkämpfe in der Gegend, am Wochenende findet das Rennen „Frohburg I“ hier statt.

„Aufgrund der Tatsache, dass sich doch noch ein paar Mutige gefunden und genannt haben“, so steht auf der Internetseite des Vereins, die Erleichterung darüber, dass das Minimum von 50 an den Start gehenden Fahrern erreicht wurde ist Tobias Torke anzumerken.

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Das erste Autocross-Rennen der DDR fand in Frohburg 1976 statt.
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110 - Das Crash Car

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Robert Kraft und Heiko Sauppe jedenfalls sind bereit und ihre Autos auch. Die „110“, wie Sauppe seinen VW Golf nennt, kann aber noch viel mehr. Sie sieht aus wie ein kleiner Panzer. Anstelle der Frontscheibe befindet sich nur ein Netz, die Türen sind alle mit Stahl verkleidet. Die „110“ ist ein Crash Car. Das Crash Car oder Stock Car Rennen ist eine Disziplin in der, anders als im Autocross, das Rammen der Gegner erlaubt ist. „Alles geht, außer Fahrertür“ sagt Heiko Sauppe ernst.

Am Kaplanberg in Frohburg wird heute aber nicht gerammt, nicht einmal gewetteifert. Eher fahren sich die Jungs ganz unaufgeregt eine Runde warm. Die Kids der Siedlung haben die ersten aufheulenden Motoren trotzdem angelockt, von den Geröllbergen aus beobachten sie das Treiben. Dort, wo der schlichte Betonturm für den Sprecher des Rennens in die Höhe ragt, hat sich das Team HMF Tuning versammelt.

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Das Team

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Schwarze Sweatshirts mit weißer Aufschrift, das Team besteht nicht nur aus den Fahrern. Rund ein dutzend Unterstützer sind heute gekommen. „Ich bin hier die Team-Mutti“ sagt Bärbel Wolf, die ebenfalls ein HMF- Sweatshirt trägt. „Klar, am Anfang war ich nicht begeistert vom Hobby meines Sohnes“ betont sie. Auch die anderen Unterstützerinnen wissen: Ganz ungefährlich ist dieser Sport  nicht.

Immer wieder passieren Unfälle, auch auf der Strecke in Frohburg kamen schon Menschen ums Leben: „Da standen alle Posten schon auf ihrem Platz und die letzte Funküberprüfung war gelaufen“, erinnert sich Tobias Torke an eine traurige Episode.

„Und trotzdem ist einer noch einmal hinter seinem Betonschutz hervor gekommen, um irgendwas von der Fahrbahn aufzuheben." Der Startschuss war bereits gefallen, die Autos losgeheizt, der Mann überlebte nicht. „So etwas kann immer passieren“, ist der Tenor und auch Bärbel Wolff hat sich mit dem Restrisiko abgefunden. Sie und die anderen Frauen übernehmen vor allem die Verpflegung während der Rennen. Nachdem die Strecke im nahen Dolsenhain im März das letzte Mal befahren wurde, müssen die Fahrer und ihr Team nun zu weiter entfernten Rennstrecken fahren: „Das wird dann ganz schön aufwendig", sagt eine andere Unterstützerin aus dem Team.

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Für die Gäste aus der fernen Motorsportverwandtschaft, die heute am Moto-Cross-Weg ebenfalls ihr Können zeigen, sind weite Strecken dagegen Alltag: „Wir sind in Tschechien und Polen, öfter auch in Franken“ sagt Uwe Hildebrandt, Gründer des Ersten Neuseenländer Quad-Vereins. Sichtlich stolz ist er auf seinen 14-jährigen Sohn Lennox, der hier in voller Montur auf einem grellbunten Quad Kunststücke zeigt.

„Für die Rennen ist es schön, wenn der Motorsport zusammenhält“ sagt Tobias Torke. „Das gibt mehr Abwechslung“. Um die zu garantieren haben sie Autocross-Fans auch noch einen anderen Plan geschmiedet. Bei dem Rennen hier am Kaplanberg soll es am Wochenende erstmals ein Cross-Taxi geben. Gäste dürfen dann gegen einen Obolus beim Rennen dabei sein, auf dem Rücksitz. Das Ziel ist klar: Die Rennen in Frohburg am Leben erhalten.

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Das HMF-Team zieht es nicht zu Erfolgen in die Ferne. Es wird viel in die Freiheit investiert, „einfach mal die Sau rauszulassen“, wie Heiko Sauppe es sagt. Aber die Freiheit soll nah bleiben, nah an der Heimat und nah an der eigenen Lebenswelt.

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Das Rennen

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Das OACM-Rennen in Frohburg findet am 27. und 28. April an der Motocross-Strecke am Kaplanberg statt. Der Eintritt kostet für das gesamte Wochenende 10 Euro und für einzelne Tage 6 Euro.

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