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Zu DDR-Zeiten waren Wohnungen in Grünau begehrt, nach der Wende machten Bagger die Hochhäuser platt. Heute ziehen wieder mehr Menschen in den Stadtteil im Leipziger Westen. Doch das Viertel kämpft noch immer mit Arbeitslosigkeit und Kriminalität.

Für die vierteilige Serie haben wir uns vor Ort umgesehen. Wie blicken die Menschen auf ihren Kiez? Welche Probleme hat Grünau im Moment? Und wie wird sich der Stadtteil in Zukunft entwickeln? Im dritten Teil geht es um die Jugend des Viertels.

Diese Reportage wird präsentiert von Matchball.

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Eine Grundschullehrerin aus Grünau berichtet anonym über die Zustände an ihrer Schule.
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Claudia Möller* unterrichtete zwei Jahre lang an einer Grundschule in Leipzig-Grünau. Die 31-Jährige berichtet offen über ihre teils krassen Erfahrungen als Lehrerin in dem Stadtviertel. Ihren richtigen Namen und den der Grundschule will Möller deshalb nicht nennen, beide sind der Redaktion bekannt.

„Ich habe in Grünau Erst- und Zweitklässler unterrichtet, vorwiegend deutsche Kinder aus sozial schwachen Familien. Die Schüler hatten oft viele Geschwister, kamen aus Patchworkfamilien oder lebten im Heim. Einige erlebten häufig Gewalt in der Familie.

Als im Sommer 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, hatte das auch Auswirkungen auf die Grundschule. Die Schule hat DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) eröffnet, in der die Kinder zunächst Deutsch lernten. Viele kamen aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Libyen oder der Türkei. Ich hatte zu der Zeit eine Klasse mit 24 Schülern, in die nach und nach weitere Kinder aus den DaZ-Klassen integriert wurden.

Zuletzt stand ich vor 27 Schülern, viele verhaltensauffällig, viele aggressiv. Die deutschen und nicht-deutschen Kinder spielten wenig miteinander, es gab häufig Konflikte, in den Hofpausen auch Prügeleien. Mit den Eltern der Flüchtlingskinder konnte ich schlecht kommunizieren, sie sprachen fast kein Deutsch, es mangelte an Dolmetschern."

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Eine Grundschullehrerin aus Grünau berichtet anonym über die Zustände an ihrer Schule.
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„Im Referendariat habe ich in einer Grundschule in Gohlis unterrichtet. Dort kamen die Kinder aus stabilen Elternhäusern, da gab es diese sozialen Probleme nicht. Vor allem waren die Kinder nicht wutgeladen. Als ich nach Grünau kam, war das für mich ein totaler Realitätsschock. Es ging nicht mehr darum, inhaltlich zu arbeiten.

Ich war nur noch damit beschäftigt, die Klasse ruhig zu halten und dafür zu sorgen, dass sich niemand prügelt. Es gab ein riesengroßes Aggressions-Potenzial, das wir Lehrer nicht auffangen konnten. Ich habe mich nicht getraut, den Klassenraum zu verlassen, auch nicht in den Pausen.

Ein Junge zerknüllte ständig seine Arbeitsblätter, schmiss seine Federtasche durch den Raum und schlug seinen Kopf auf den Tisch. Ein anderer Schüler warf Stühle durch den Klassenraum, stellte anderen Kindern ein Bein. Einmal stach er einem Kind mit einem Bleistift ins Auge. Ihn musste ich permanent im Blick haben während des Unterrichts.

Es gab sogar Kinder, die Lehrer gekratzt oder gekniffen haben. Einige Schüler haben Kollegen angespuckt, beleidigt und bedroht. Das ging soweit, dass sich eine Lehrerin weigerte, einen bestimmten Schüler zu unterrichten, sie hatte gegen ihn Anzeige erstattet.“

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„Das Kollegium an der Schule war zum größten Teil jung und motiviert, aber viele der anderen Lehrer sind ebenfalls an ihre Grenzen gestoßen. Ein Großteil hat gelitten unter der Situation dort. Die älteren Kollegen waren eher distanziert, sie zählten nur noch die Jahre bis zur Rente.

Einen Lichtblick gab es, als eine Studentengruppe bei uns ein zehnwöchiges Praktikum absolvierte und mit den Schülern Konfliktbewältigung trainierte. Das hat aber nicht ausgereicht. Es gab weder einen Schulpsychologen noch einen Sozialarbeiter und keine Anleitung, wie wir mit den aggressiven Kindern umgehen sollten. Jeder Lehrer war auf sich gestellt.

Ich habe die Probleme bei der Schulleitung angesprochen, stieß aber auf taube Ohren. Als Lösung wurden Einträge ins Hausaufgabenheft vorgeschlagen, nachsitzen oder Strafsätze abschreiben. Im schlimmsten Fall sollten wir die Schüler von den Eltern abholen lassen. Diese Maßnahmen sind nicht konstruktiv, helfen den Kindern nicht, ihre Aggressionen abzubauen.

Die Schicksale der Kinder gingen mir sehr zu Herzen. Manche taten mir so leid, dass ich sie am liebsten mit zu mir nach Hause genommen hätte. Ein Mädchen lag zwei Wochen lang im Krankenhaus, weil der Stiefvater es verprügelt hatte. Ein Junge erzählte mir, dass er kein eigenes Zimmer mehr habe, weil seine Mutter aus seinem Kinderzimmer ein Raucherzimmer gemacht hatte. Was sage ich zu so einem Kind?

Manche Schüler hatten als Frühstück nur eine Tüte Chips dabei, Schokolade oder Pommes vom Vortag, als Getränke Cola oder Fanta. Ich habe ab und zu ein gesundes Frühstück organisiert. Weil es oft von der Schule kein Geld für Bücher und Arbeitshefte gab, habe ich viel Material aus eigener Tasche bezahlt.“

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„Nach einem Jahr in Grünau war mir klar: Ich schaffe das nicht mehr. Ich war an der Grenze zum Burnout, hatte kaum noch Kontakt zu meinen Freunden, ging abends völlig erschöpft ins Bett. Am nächsten Morgen bin ich manchmal mit Angst zur Schule gefahren, weil ich dachte: Wer weiß, was heute wieder alles passiert? Ich habe schließlich einen Antrag auf Versetzung an eine andere Schule gestellt.

Diese Entscheidung fiel mir nicht leicht. Ich steckte in einem Zwiespalt. Einerseits wollte ich die Kinder nicht zurückzulassen, wollte ihnen helfen. Auf der anderen Seite habe ich gemerkt, dass ich seelisch und gesundheitlich an meine Grenzen komme. Ich fing an, an mir zu zweifeln: Hatte ich als Lehrerin versagt? Hatte ich den falschen Beruf gewählt?

Es war meine ehemalige Ausbilderin, die mich darin bestärkte, dass Lehrerin mein Job ist, ich aber an der falschen Stelle war. Das hat mich aufgebaut. Nach einem Jahr wurde meine Versetzung durchgewunken. Der Abschied aus Grünau war mit Tränen verbunden. Ich weiß, dass die Probleme nicht nur an meiner Schule existieren. Auch andere Kollegen berichteten von katastrophalen Zuständen. Es müsste dringend Geld investiert werden – in Arbeitsmittel, Dolmetscher und Sozialarbeiter.

Seit einem halben Jahr unterrichte ich an einer Grundschule in Gohlis, womit ich sehr zufrieden bin. Dort gibt es eine Sozialarbeiterin, die sich mit den Problemen der Schüler befasst. Ich habe Spaß an der Arbeit, bin motiviert, engagiert und jeden Tag dankbar, dass ich wieder einer inhaltlich anspruchsvollen Arbeit nachgehen kann.“

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Montagnachmittag in Grünau-Ost: Aus der Skaterhalle Heizhaus dringt Krach nach draußen. Ein Dutzend Jugendlicher rollt mit ihren Boards durch die Halle, die Kids schießen die Rampen hinauf und hinunter, es scheppert gewaltig.

Heute zeigen die Profis den Anfängern bei einem Workshop, wie das rollende Brett das macht, was sie wollen. Tobias Kalb ist auch gekommen, der 14-Jährige fährt schon seit zehn Jahren Skateboard, er gehört hier längst zu den Profis. Mühelos rollt er durch die Halle, zeigt Sprünge und Tricks. Der Achtklässler fährt immer mit der S-Bahn aus Böhlitz-Ehrenberg nach Grünau.

Viele der Jugendlichen wohnen nicht im Viertel, sie kommen extra wegen des Workshops in das Heizhaus, das der Verein „Urban Souls“ seit neun Jahren betreibt.

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Heizhausgruenau20170009
Sven Bielig leitet die Skaterhalle "Heizhaus" in Grünau-Ost.
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Darauf ist Sven Bielig ohne Frage stolz. Der Betriebswirt leitet das Jugendkulturzentrum, in dem neben Skateboard und BMX, auch Breakdance, Hip Hop und Graffiti-Kurse stattfinden. Angebote, die „modern und jugendtypisch“ seien, so Bielig und die auch viele Grünauer Kids anziehen.

 „Es sind oft Jugendliche mit multiplen Problemlagen, die hierher kommen“, sagt der 35-Jährige und zählt auf: Schwierigkeiten in der Schule, mit Freunden und Familie, Probleme mit Drogen und Alkohol. Einige Kids haben viele Geschwister und sehr junge Eltern, die mit der Situation überfordert seien.
„Wir kümmern uns hier um eine sinnvolle Freizeitbetätigung“, sagt Bielig. Das helfe vielen Eltern enorm. Auch Mitglieder von Grünauer Jugendgangs kommen ab und an ins Heizhaus. Sie tauchen mal als Gruppe oder einzeln auf, nutzen die Angebote des Vereins. „Wir haben keine Probleme mit denen“, sagt Bielig und betont, dass auch viele der Gang-Mitglieder aus überforderten Familien stammten.

„Die Jugendlichen haben hier einen Anlaufort“, erklärt Bielig die Rolle der Einrichtung. Hier können sie ihren Kummer und Frust loswerden, der Sport wirke als Ventil. Das Heizhaus ist die einzige offene Einrichtung in Grünau-Ost, es hat an 365 Tagen im Jahr geöffnet, auch an Feiertagen. Mit den wenigen Mitarbeitern seien solche Öffnungszeiten allerdings kaum zu stemmen. Zweieinhalb Stellen zahlt das Jugendamt der Stadt, den Rest decken Honorarkräfte und Ehrenamtliche ab. Klar können er und seine Sozialarbeiter den Kids Hilfen vermitteln, lösen können sie deren Probleme nicht.

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Sven Bielig leitet die Skaterhalle "Heizhaus" in Grünau-Ost.
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Sven Bielig über die Funktion und Probleme der Skaterhalle im Viertel.

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Die Probleme hängen Bieligs Meinung nach nicht nur mit den sozial schwachen Familien zusammen, aus denen viele Kinder stammen. Bielig kritisiert auch zu volle Klassen, vor allem in Grundschulen, und die schlechte Infrastruktur an Kitas und Schulen. In manchen Klassenzimmern könne man nur noch zwei Fenster öffnen, in anderen Schulen nur noch auf einer Etage die Toilette benutzen.

Während viele Schulen im Stadtgebiet modernisiert wurden, gebe es in Grünau Einrichtungen, in denen seit den 1980er-Jahren nichts passiert sei. „Der Fokus liegt auf Prestige- statt auf Notfallprojekten“, klagt der Heizhaus-Chef.

Auch die Jugendhilfeplanung der Stadt passe nicht zum aktuellen Bedarf des Viertels, bemängelt Bielig. Im Grünauer Wohnkomplex 8 gebe es beispielsweise keine einzige Jugendeinrichtung. Die restlichen seien mit einem „Minimum an Personal“ ausgestattet und haben gerade am Wochenende selten geöffnet.

„Grünau könnte locker zwei, drei Einrichtungen mehr gebrauchen“, wünscht sich Bielig. Immerhin wachse das Plattenbauviertel. Und einen Vorteil habe Grünau gegenüber anderen Ecken der Stadt: „Wir haben Platz.“

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Sozialarbeiteringruenau20170003
Katrin Zschuckelt koordiniert die Streetworker des Vereins „Mobile Jugendarbeit“ in Grünau.
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Katrin Zschuckelt ist Projektleiterin des Vereins „Mobile Jugendarbeit“, der sich vor 25 Jahren in Grünau gründete. Drei ihrer Streetworker sind im Viertel unterwegs. Zschuckelt lädt zum Gespräch in den Grünauer Cliquentreff, einer Art Jugendclub, der einmal pro Woche für alle öffnet. Hier finden vor allem Beratungsgespräche statt.

Welche Aufgaben hat die „Mobile Jugendarbeit“ in Grünau?
Wir suchen die Jugendlichen dort auf, wo sie sich in ihrer Freizeit bewegen, und zwar im öffentlichen Raum. Das sind zum Teil Jugendliche, die nirgendwo anders mehr andocken. Wir versuchen, zu diesen Kids Kontakt aufzubauen, machen Hilfsangebote.

Wo sind typische Treffpunkte?
Das ist jahreszeitenabhängig. Im Augenblick ist die Magistrale zwischen dem Einkaufscenter Pep, übers Allee-Center bis zum Schwimmbad „Grünauer Welle“ einer der Hotspots, wo sich die Kids treffen. Im Sommer ist im Park 5.1 viel los, auf dem Rollhockeyplatz treffen sich wieder mehr Kids, wenn es wärmer wird.

Welche Probleme beschäftigen die Jugendlichen in Grünau?
Vorweg: Wir haben in Grünau viele Jugendliche, die keine Probleme haben, die sich einfach draußen treffen. Es gibt aber auch eine ganze Menge, die mit einem ganzen Rucksack an Themen durch die Welt gehen. In den letzten zwei, drei Jahren geistern viele jüngere Kids, zwischen acht und zehn Jahren, draußen herum, weil das Zuhause nicht das bietet, was sie gern möchten.

Eine ganze Menge Kids geht nicht gern in die Schule und schwänzt. In der Familie finden viele nicht das Setting, was ein Kind bräuchte. Der Allgemeine Sozialdienst hat erst kürzlich eine Studie herausgebracht, dass Grünau-Mitte ein sozialer Schwerpunkt bei Kindeswohlgefährdungen ist.

Wie gehen Sie als Streetworker mit solchen Problemfällen um?
Wir nehmen erstmal alles auf – egal, ob Probleme in der Schule, in der Familie, mit Drogen oder Kriminalität. Wir haben ein gutes Netzwerk, um Hilfsangebote zu vermitteln. Wir helfen beim Thema Schuldenabbau, bei der Wohnungssuche oder bei Ämtergängen.

Haben sich die Probleme im Laufe der Jahre verändert?
Auf jeden Fall. Als wir vor 25 Jahren angefangen haben, war das Thema Rechtsextremismus in Grünau ganz groß. Heute gibt es nur noch Tendenzen von Alltagsrassismus. Dann gab es um die 2000er-Jahre eine große Welle, die das Thema Drogen, vor allem Crystal, betraf. Das ist geblieben.

Was zunehmend stärker geworden ist, ist das Thema Armut. In Grünau Mitte lebt jedes zweite Kind in einem Haushalt mit Sozialgeldbezug. Das ist Wahnsinn. Wir haben eine vererbte Armut. Kinder aus armen Familien haben oft keine Ausbildung, bekommen jung eigene Kinder. Damit setzt sich der Kreislauf weiter fort. Die Familienhelfer betreuen teilweise drei Generationen.

Ist es möglich, aus diesem Teufelskreis auszubrechen?
Durchbrechen ist schwierig. Es müsste viel passieren beim Thema Familienhilfe und frühkindliche Bildung. Zu uns kommen die Kids etwa mit 14 Jahren. Das ist schon zu spät, um gravierende Schwierigkeiten noch auszumerzen. Die wirkliche Weichenstellung müsste viel früher passieren.

Seit einiger Zeit wohnen mehr Migranten in Grünau. Hat sich die Zusammensetzung der Cliquen verändert?
Der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist mittlerweile bei über 50 Prozent. Bis 2010 lag er bei etwa fünf Prozent . Aus bestimmten Kulturen ist ein anderer Wertemodus mitgekommen, beim Thema Status und Geld zum Beispiel. Das gibt es einen Unterschied zu den deutschen Jugendlichen. Das führt dazu, dass einige Kids klauen, dealen, Fahrräder verticken. Diese Cliquen sind noch keine Gangs, aber sie sind auf dem Weg dahin. Neu ist die hohe Gewaltbereitschaft oder das Tragen von Waffen. Das ist eine Entwicklung, die uns erschreckt.

Was sollte für die ausländischen Familien in Grünau getan werden?
Es wäre wichtig, dass man Angebote schafft. In den alten Bundesländern gibt es Projekte, die man übernehmen könnte. Kiezmütter nennt sich eines davon. Das sind toughe Mütter mit Migrationshintergrund, die Vorbild sind, andere animieren, Angebote wahrzunehmen und sich zu integrieren.

Wie sehen Sie die Zukunft des Stadtteils?
Grünau wächst, es sind mehr Kinder hier, das Thema Migration ist on top dazugekommen, aber an den personellen Ressourcen ändert sich nichts. Das ist ein Ungleichgewicht, das sich verstärkt. Eine gute personelle Ausstattung der Angebote wäre schon viel Wert. Schon in den Kitas müssten Sozialarbeiter sein. Grünaus Schulen müssten die beste Ausstattung und die besten Lehrer haben. Wenn man Geld hier reinsteckt, kann der Stadtteil eine gute Entwicklung nehmen. Man muss aufpassen, dass sich die Armut nicht manifestiert.











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Katrin Zschuckelt koordiniert die Streetworker des Vereins „Mobile Jugendarbeit“ in Grünau.
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Katrin Zschuckelt über migrantische Jugendliche.

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Ernste, wütende Gesichter, schreiende Jugendliche, Verzweiflung. Auf der Bühne des Theatriums feilt Theaterpädagogin Kathrin Großmann mit neun jungen Menschen zwischen 13 und 26 Jahren an einer Szene aus dem Stück „Koma“.

Penibel und konzentriert üben die Schauspieler die Verwirrung und Bestürzung auszudrücken, die die Charaktere nach einem Amoklauf empfinden. Am 16. März steht die Premiere ins Haus.

Etwa 90 Kinder und Jugendliche arbeiten derzeit einmal wöchentlich an sechs verschiedenen Stücken. Sie werkeln an Kostümen und Masken oder kümmern sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Theatriums, einer Theaterwerkstatt für Kinder und Jugendliche in Grünau.

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Almut Haunstein ist die Chefin des Theatriums in Grünau
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„Das Mitmachen ist kostenlos, es gibt keine Castings, jeder kann kommen“, wirbt Almut Haunstein, die 40-jährige Geschäftsführerin. Seit 1994 bietet das Projekt Jugendkulturarbeit im Viertel an, zunächst im „Atrium“, einer ehemaligen Gaststätte an der Miltitzer Allee. 2010 ist das Theatrium in die Grünauer Allee umgezogen. „Das Theatrium ist für mich wie eine große Familie“, erzählt Charlotte. Seit fünf Jahren spielt die 15-Jährige in Grünau Theater. Bald steht sie mit „Koma“ auf der Bühne.

„Bei mehreren Jugendlichen sind uns in den vergangenen Jahren psychische Probleme aufgefallen“, berichtet Almut Haunstein. Vielleicht wirkt das in die Rollen schlüpfen im Theater als Katalysator, wodurch solche Themen eher aufbrechen. Seit August arbeitet eine Sozialpädagogin mit im Theatrium, insgesamt gibt es neun feste Mitarbeiter. Derzeit kommen nur etwa 15 Prozent der Kinder aus Grünau. Das Projekt wurde in den vergangenen Jahren bekannter: Jugendliche brachten Freunde mit, Eltern aus anderen Stadtteilen schickten ihre Kinder zu den Proben. „Wir wollen in Zukunft mehr Grünauer Kinder ansprechen“, wünscht sich Haunstein, die seit 2009 im Theatrium arbeitet.

Dafür ist die Zusammenarbeit mit Schulen im Viertel wichtig. „Viele Kinder wissen nichts von den Angeboten in Grünau“, hat Haunstein festgestellt. „Wenn Eltern und Schulen nicht vorschlagen, ins Theater zu schnuppern, ist es schwierig, die Jugendlichen zu erreichen.“ Derzeit gibt es Kooperationsprojekte mit verschiedenen Einrichtungen. Im April soll ein inklusives Theaterprojekt an der Schule Rosenweg beginnen, mit Jugendlichen mit und ohne geistige Behinderung.

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Almut Haunstein ist die Chefin des Theatriums in Grünau
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Almut Haunstein über die Probleme des Viertels.

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„Die Stadt ist interessiert, hier viel zu machen“, beobachtet Kathrin Großmann, die seit 1996 im Viertel Jugendtheater inszeniert. Der Trägerverein „großstadtKinder“ wird mit öffentlichen Geldern finanziell unterstützt. Die gezielte Förderung sei bei den kulturellen und pädagogischen Angeboten in den vergangenen Jahren spürbar gewesen, so die Theaterpädagogin.

Mitten in den Plattenbauten von Grünau entstehen hier Fantasiewelten, häufig sind sie von den Jugendlichen selbst entwickelt. Die Grünauer Freiräume werden auf der Theaterbühne ausgeschmückt, lassen die familiären Probleme, die viele Grünauer Jugendliche haben, vergessen. Das negative Bild des Stadtteils rechtfertige die Arbeit der Theaterpädagogen, sagt Haunstein.

Und doch sei der schlechte Ruf Grünaus schnell überspitzt. „Ja, es gibt viele Arbeitslose und auch kriminelle Jugendbanden“, zählt sie auf. „Aber wenn man rumläuft, ist nicht alles Ghetto und schlimm.“ Grünau sei ein Stadtteil mit Chancen, viele Familien zögen her. Dennoch seien die Plattenbauten „weit davon entfernt, gentrifiziert zu werden“.

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Was ist Grünau für dich?

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Texte und Videointerviews: Theresa Held, Gina Apitz
Fotos und Videodreh: Dirk Knofe
Schnitt: Felix Ammenn (Leipzig Fernsehen)
Konzept und Produktion: Gina Apitz

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Übersicht

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Kapitel 1 Die Jugend

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Kapitel 2 Die Skaterhalle Heizhaus

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Heizhausgruenau20170014

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Kapitel 3 Streetworkerin

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Kapitel 4 Das Theatrium

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Kapitel 5 Weitere Reportagen

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