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Los geht's

Johanniter Hundestaffel rettet Menschen das Leben

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Zweimal pro Woche Training und 40 bis 50 Einsätze im Jahr – Hundeführer ist ein zeitintensives Ehrenamt. Wir waren beim Training der Johanniter-Hundestaffel in Bennewitz bei Wurzen vor Ort.

Von Claudia Carell (Text) und Anna Flora Schade (Produktion)


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... im Wäldchen am Schwarzen Weg bei Bennewitz. Es gießt wie aus Kannen, der Wind fühlt sich selbst durch die dicke Jacke kalt an. Doch Hazel stört das nicht. 

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Münsterländermix mit wichtiger Aufgabe

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Die vierjährige Hündin, ein Münsterländermix, wuselt ihrem Frauchen um die Beine, springt und bellt fröhlich im schlammigen Wald durch den Regen.Das Tier ist ungeduldig, es musste ziemlich lange im Auto warten. Doch jetzt ist es beim Training an der Reihe. Das weiß Hazel spätestens, als Frauchen ihr die „Kenndecke“ um den Bauch bindet, das Zeichen für den Rettungshund. Das vergnügliche Suchspiel kann beginnen.

Die Aufgabe: Hazel soll den Menschen finden, der sich im Wald versteckt hat. Die Hundeführerin gibt ihr eine Richtung vor. Als wenn es um ihr Leben ginge, stürmt Hazel los, findet rasch die versteckte Helferin am Hochstand und bellt erfreut. Aufgabe gelöst – gleich gibt es die Belohnung. Für Hazel ist es ein gestreiftes Spielzeug, das sie schnappen kann, an dem Frauchen und sie gleichzeitig ziehen und dabei Spaß haben.

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Das Training geht los. Die Tiere üben, systematisch ein Gelände abzusuchen und Menschen zu finden. Genau diese Fähigkeit brauchen sie im Ernstfall – bei 40 bis 50 Einsätzen pro Jahr in ganz Sachsen. Meist geht es um die Suche nach Demenzkranken und suizidgefährdeten Menschen, sagt Schwerdtfeger. Je nach Größe des Geländes, wo der Vermisste vermutet wird, werden mehrere Hundestaffeln gerufen. Jeder Hundeführer bekommt dabei einen bestimmten Bereich zugewiesen, den er mit seinem Tier systematisch mit dem GPS-Gerät absucht. „Ein erfahrener Rettungshund schafft in einer Stunde 100.000 Quadratmeter Gelände abzusuchen“, sagt Hundestaffelleiter Sebastian Kupke. Die 24 Ehrenamtler der Johanniter-Hundestaffel sind für das Training mit ihren Tieren regelmäßig im Landkreis Leipzig, zum Beispiel in Bennewitz, Grimma und an den Lübschützer Teichen unterwegs. 

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Schwerdtfeger
Kathrin Schwerdtfeger ist Tierärztin. Bei den Johanniterin engagiert sie sich ehrenamtlich mit ihrer Hündin Hazel.
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„Für die Hunde ist es ein Spiel mit Belohnung“, sagt Kathrin Schwerdtfeger. Die 31-jährige Tierärztin holte Hazel  aus dem Tierheim und bildete sie zum Rettungshund aus. Jeden Mittwochabend und jeden Sonntagvormittag ist bei der Johanniter-Rettungshundestaffel Leipzig-Nordsachsen Training angesagt. Es ist eine von mehreren Staffeln, organisiert im Verbund sächsischer Rettungshunde, die meist in Großstädten angesiedelt sind und zu Wohlfahrtsverbänden wie DRK, Malteser, ASB oder Johanniter gehören. Es sind Einheiten des Katastrophenschutzes.


Schwerdtfeger
Kathrin Schwerdtfeger ist Tierärztin. Bei den Johanniterin engagiert sie sich ehrenamtlich mit ihrer Hündin Hazel.
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Im Gegensatz zu Feuerwehrleuten, bei denen der Arbeitgeber die Einsatzzeit erstattet bekommt, trifft das auf die 24 ehrenamtlichen für Hundeführer der Johanniter-Staffel nicht zu, erklärt Schwerdtfeger. „Wir sind auf die Kulanz unserer Arbeitgeber angewiesen“ sagt sie. Die Berufsgruppen in ihrer Staffel sind bunt gemischt: Lehrerin, OP-Schwester, Tierärztin, Aufzugsbauer, Verwaltungsangestellte, Studenten, Labormitarbeiterin, Altenpfleger, Bauzeichner, Notfallsanitäter, Psychologe. Nicht alle können ihren Arbeitsplatz sofort verlassen. Und viele können morgens nicht später kommen – auch wenn sie bei Eiseskälte die ganze Nacht im Einsatz waren.


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Erst kürzlich saß die Kathrin Schwerdtfeger in der Oper, als ihr Handy einen neuen Einsatz meldete. Das Stück ging noch fünf Minuten. So lange wartete sie, beim Schlussapplaus verließ sie schnell den Saal und fuhr nach Coswig bei Dresden. Bis morgens um vier durchstreifte sie mit Hazel das Gelände. Manchmal häufen sich die Einsätze – und dann kann es auch zuviel werden. Kathrin Schwerdtfeger erinnert sich, als sie 2016 sechs Suchen nach Suzidgefährdeten kurz hintereinander hatte. Nicht immer werden die Gesuchten lebend gefunden. „Das hat mich mitgenommen, beim siebten Einsatz hab’ ich gesagt: Ich kann nicht mehr, ich brauche jetzt eine Pause.“ Sie wurde von der psychosozialen Notfallversorgung betreut, „das war sehr professionell und dann war es auch wieder gut“.

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Die Belohnung für gute Suche kann verschieden sein. Der Dalmatiner Cleo von Thomas Enghardt hat in seiner Büchse Käse und Gurke.
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So ernst die Einsätze sind – für die Hunde ist es Spaß und Spiel, wofür sie ihre Belohnung wollen. Die kann ganz verschieden aussehen. Nicht jeder freut sich über Fleischbröckchen. Thomas Enghardt zum Beispiel hat für seine Dalmatiner-Dame Cleo immer zwei Büchsen mit Käse und Gurke dabei, „das frisst sie so gern“. Und Hazel!? Mit ihr wird zur Belohnung  erst einmal eine Runde gespielt!

Möchten Sie - oder ihr Hund - auch einmal bei der Hundestaffel vorbei schauen? Virtuell geht es schon einmal hier entlang. 

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Die Belohnung für gute Suche kann verschieden sein. Der Dalmatiner Cleo von Thomas Enghardt hat in seiner Büchse Käse und Gurke.
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