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Orte aus der Region um Leipzig aus der Luft damals und heute

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Das Volkskundemuseum Wyhra zeigt derzeit historische Luftbilder von Orten im Leipziger Land. Mehr als 20 Aufnahmen aus den 1920er- und 30er-Jahren können Besucher betrachten. „Über-Sichten“ heißt die neue Sonderausstellung bis 19. Mai zu sehen ist. Im Interview erklärt Museumschef Hans-Jürgen Ketzer (64) die Bedeutung der Fotos für die damalige Zeit.

Interview: Gina Apitz, Drohnenfotos: Frank Schmidt, historische Fotos: Volkskundemuseum Wyhra

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Hans-Jürgen Ketzer ist der Chef des Volksundemuseums in Wyhra.
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Woher kam die Idee für die Luftbild-Ausstellung?
„Ich sammele Ansichtskarten und fand diese historischen Luftbildaufnahmen sehr faszinierend. Auf ihnen sind Gebäude und Anlagen zu sehen, die es heute nicht mehr gibt oder Landschaften, die heute bebaut sind. Das war der Anfang. Dann aber ist mir mehr und mehr klar geworden, dass das auch ein ganz wichtiges kulturgeschichtliches Zeugnis ist.

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Hans-Jürgen Ketzer ist der Chef des Volksundemuseums in Wyhra.
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Die Motive entstanden aus dem Flugzeug heraus. Wofür wurden die Fotos ursprünglich gemacht?
Die Luftbildfotografie ist in den Anfängen im Ersten Weltkrieg sehr stark von den Militärs vorangetrieben worden, zum Zweck der Kartographie. Exakte Karten waren damals noch Geheimwissen, Luftaufklärung etwas Besonderes – was man mit Ballons und Luftschiffen gemacht hat, zum Teil auch schon mit Flugzeugen. Eine zivile Nutzung gab es erstmals ab 1919, also vor etwa 100 Jahren.

Man konnte dadurch unzugängliche Landschaften geografisch aufnehmen. Die Technik war dafür damals aber noch nicht so geeignet. Sie musste erst entstehen. Man konnte zunächst nur Schrägbildaufnahmen machen. Die waren für topographische Aufzeichnungen eher ungeeignet, dafür aber sehr attraktiv für die Öffentlichkeit. So entstand als Nebengeschäftsfeld die Fotografie für Prospekte und Ansichtskarten.

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Worin liegt die besondere Bedeutung dieser Aufnahmen für die damalige Zeit?
Solche Fotos haben die Wahrnehmung verändert. Ein Foto ist etwas anderes als ein Kupferstich, der eine Stadt in der Vogelperspektive zeigt. Den gab es schon um 1800. Diese Kupferstiche waren das Bemühen, etwas Naturelles zu zeigen. Ein Foto aber ist etwas absolut Naturalistisches; es verkörpert geradezu die Säkularisierung des Sehens.

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Kann man es mit einer „Revolution des Sehens“ vergleichen?
Ja, natürlich. Die Vogelperspektive hatten ganz wenige Menschen. Wer konnte denn damals in ein Flugzeug steigen? Nur Piloten, einige Geschäftsleute und Politiker. Ein Beispiel: Ein Bild, das den Leipziger Hauptbahnhof von oben zeigt – den damals größten Kopfbahnhof Europas – das war geradezu ein Triumph menschlicher Technik und Schöpferkraft.

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Nach welchen Kriterien wurde damals fotografiert?
Bei der Herstellung von Ansichtskarten hat man immer danach gefragt, in welcher Auflage man sie verkaufen kann. Sehenswürdigkeiten wie die Burg Gnandstein oder das Völkerschlachtdenkmal waren besonders beliebt. Davon gibt es sehr viele Aufnahmen. Die sind aus unserer heutigen Sicht gar nicht so interessant und aufregend, aber für die damalige Zeit waren sie etwas Besonderes.

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Welche Bedeutung haben die Aufnahmen heutzutage?
Für uns heute sind diese historischen Fotos faszinierend. Sie zeigen Dinge, die aus unserer Realität verschwunden sind, etwa alte Industrieanlagen, die im Krieg zerstört wurden oder Flächen, auf denen heute etwas Neues steht. Die Mühlenwerke in Bad Lausick sind heute eine Ruine; in Groitzsch gibt es die vielen Schuhfabriken heute nicht mehr.

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Mit welchen Kameras wurden die Aufnahmen damals gemacht?
Zu dieser Zeit verlief parallel die Entwicklung von der Platten- zur Kompaktkamera. Mit einer Plattenkamera hätte man im Flugzeug wegen der langen Belichtungszeit nicht allzu viel ausrichten können. Im 19. Jahrhundert hat man das zwar von Fesselballons aus schon gemacht, aber das war schwierig. Die Aufnahmen sind sehr unscharf. Scharfe Bilder sind erst nach dem Ersten Weltkrieg mit Kompaktkameras entstanden. Später wurden dafür speziellen Kameras verwendet, die von der Firma Zeiss entwickelt wurden. Die Bilder aus den 30er Jahren sind von so guter Qualität, das wir die enorm vergrößern können.

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