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Südvorstadt

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Auf Streifzug durch den Kiez: In der Serie "Mein Viertel" führen Leipziger durch ihren Stadtteil, zeigen Lieblingsplätze und Schandflecken. In Teil 4 spaziert Schauspieler Larsen Sechert durch die Südvorstadt.

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Zahlen und Fakten über Leipzigs Südvorstadt

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Freiluftkino und Sommertheater

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Schauspieler Larsen Sechert in dem Stück " Django- ein Cartoon-Western " vom Knalltheater auf der Feinkost.
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Kolonnen von Fahrradfahrern schieben sich über den Radstreifen, Autos ziehen an ihnen vorbei, nur auf dem breiten Fußweg ist kein Stau. Alltag auf der Karl-Liebknecht-Straße, die die Leipziger nur liebevoll ihre „Karli“ nennen, Kneipenmeile und Herzstück der Südvorstadt.

Und: das Zuhause von Larsen Sechert, Schauspieler, staatlich geprüfter Clown, zweifacher Familienvater. Als Startpunkt seiner Tour durchs Viertel hat der 41-Jährige die Feinkost gewählt, die sich genaugenommen noch im Zentrum Süd befindet. Auf dem ehemaligen Industriegelände, das von einer Genossenschaft verwaltet wird, haben sich diverse Händler angesiedelt, darunter der „Fußgänger“, –„ein wunderbarer Schuhladen“, findet Sechert.

Außerdem ist die Feinkost ein zentraler Ort für alle, die Kultur im Viertel erleben wollen. Im Sommer sind das Freiluftkino und das Sommertheater, bei dem der gebürtige Hallenser selbst mitspielt, stets gut besucht.

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Schauspieler Larsen Sechert in dem Stück " Django- ein Cartoon-Western " vom Knalltheater auf der Feinkost.
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Eine Herzensangelegenheit

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Susann Struppert, Chefin des Kinderbuchladens „Serifee“, organisiert auch den Flohmarkt auf der Feinkost.
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Einen seiner ersten Auftritte als Clown hatte Sechert im Kinderbuchladen „Serifee“, der auf dem Feinkost-Gelände beheimatet ist. „Wir haben damals kostenlos gespielt, sind mit dem Hut herumgegangen“, erzählt er. Inzwischen hat sich das „Knalltheater“ für Kinder herumgesprochen, „manchmal stapeln sich die Leute hier richtig“.

Inhaberin Susann Struppert lädt regelmäßig zu dem Improtheater und zu Lesungen ein, von denen manche sich auch an Erwachsene richten. „Das ist das Schöne am Selbstständig-Sein“, sagt die 41-Jährige. „Ich kann machen, was ich will.“ Kerngeschäft aber bleibt der Verkauf von Kinderbüchern. Die Anfangsjahre seien schwer gewesen, sagt Struppert, die den Laden vor neun Jahren gründete.

Zwischenzeitlich spielte die Leipzigerin mit dem Gedanken, das Geschäft aufzugeben. Inzwischen hat sie einen festen Kundenstamm aufgebaut, die Mundpropaganda funktioniert. Wer in ihren Laden kommt, trifft auf ein überschaubares Sortiment und wird gut beraten. Und es sind nicht nur Mütter, sondern auch viele Väter die Lesenswertes für den Nachwuchs aussuchen, betont die Chefin.

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Susann Struppert, Chefin des Kinderbuchladens „Serifee“, organisiert auch den Flohmarkt auf der Feinkost.
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Susann Struppert vom Kinderbuchladen Serifee über Lieblingsplätze und Veränderungen in der Südvorstadt.

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Das Volkshaus um 1928 und heute

Damals hatte das Gebäude noch das markante Türmchen.

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Larsen Sechert schwingt sich jetzt auf sein Fahrrad und radelt ein Stück über die „Karli“, vorbei an „Feinkost Kretzschmar“, einem Laden mit „besonderem Charme“, sagt der Schauspieler und vorbei an zwei Dönerläden („früher gab es hier mal Döner für einen Euro“).

Am Körnerplatz stoppt Sechert. Das etwas versteckt liegende Fleckchen bevölkern vor allem am Wochenende Familien, aber auch ältere Menschen, erzählt Sechert. Die Kinder kraxeln auf einer Art Mini-Kletterwand herum, im Sommer wird gegrillt und Fußball gespielt. „Ich finde es faszinierend, dass sich hier verschiedene Generationen treffen“, sagt Sechert.

Einziger Nachteil: die vielen Hundehaufen. Der Schauspieler hat selbst eine Hündin, deren Hinterlassenschaften er aber stets aufsammelt, versichert er.

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Am Körnerplatz wird derzeit noch viel gebaut.
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Viele Häuser rings um den Körnerplatz sind frisch saniert, einige wurden neu gebaut, andere sind immer noch Baustelle. Ein Ort, an dem vieles in Bewegung ist, auch die Bevölkerungsstruktur. Einerseits sei es angenehm, findet Sechert, „dass es hier keine Voll-Assis oder irgendwelche Rechtsradikalen“ gebe.

Andererseits ist er weniger glücklich damit, dass die Gegend zunehmend „versnobt“, sich in der Südvorstadt mittlerweile vorwiegend die obere Mittelschicht ansiedelt. Alle anderen könnten sich die gestiegenen Mieten längst nicht mehr leisten. Seine Familie zahlt 1200 Euro für eine Dachgeschosswohnung mit über 100 Quadratmetern. Einen Preis, den Larsen Sechert noch okay findet.

Als er 2001 wegen des Studiums nach Leipzig kam, verschlug es den angehenden Schauspieler zunächst nach Reudnitz. Etwa fünf Jahre später entschieden seine Frau und er sich ganz bewusst dafür, in die Südvorstadt zu ziehen. „Die Gegend war für mich wichtiger als das Equipment der Wohnung“, sagt Sechert rückblickend. „Ich hatte damals gleich ein unheimlich positives, warmes Gefühl.“ Das hat bis heute angehalten. „Wenn ich hier entlang laufe, dann denke ich schon: Das ist meine Heimat“, sagt der Schauspieler und lächelt.

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Am Körnerplatz wird derzeit noch viel gebaut.
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Die Leipziger Südstraße um 1932. Heute heißt sie Karl-Liebknecht-Straße

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Erholung findet Larsen Sechert auf dem Fockeberg. Zur Entschleunigung trägt wohl auch das Handy des Schauspielers bei. Sechert besitzt kein Smartphone, sondern nur ein altes Telefon ohne mobiles Internet.
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Wenn der Berufsclown eine Auszeit braucht vom Großstadttreiben, dann flüchtet er auf den Fockeberg, manchmal joggt Sechert ihn auch hinauf. Er nimmt dann einen steilen Weg und „keucht ordentlich“, wenn er oben ist. Der Blick auf Leipzig entlohnt für die Strapazen. Im Sommer treffen sich die Südvorstädter hier zum Picknick, im Winter stürzen sich die Kids auf der „Todesbahn“ den künstlichen Berg hinab.

Etwa einmal pro Woche ist Sechert mit der ganzen Familie auf dem Berg unterwegs. „Es gibt ganz viele Geheimwege, die meine Kinder entdeckt haben“, erzählt er. Dass auf einer Seite des ehemaligen Trümmerberges eine Fahrrad-Crossstrecke angelegt wurde, hat er erst vor Kurzem herausgefunden.

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Erholung findet Larsen Sechert auf dem Fockeberg. Zur Entschleunigung trägt wohl auch das Handy des Schauspielers bei. Sechert besitzt kein Smartphone, sondern nur ein altes Telefon ohne mobiles Internet.
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Larsen Sechert über seine Begeisterung für die Südvorstadt und die zunehmende Versnobbung des Viertels.

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Die Kaiserin-Augusta-Straße um 1930 herum und heute. Inzwischen heißt die Magistrale August-Bebel-Straße.

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„Die Nato war hier das erste, was es gab in der Südvorstadt, damit ging's los“, sagt Antje Müller vom Nato-Verein. Ohne die Nato wäre die Karli nicht die Karli geworden, ist sie sich sicher.
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Von der grünen Oase geht es zurück in Richtung „Karli“, letzter Stopp ist die Nato, das soziokulturelle Zentrum, das seit 1991 von einem Verein geführt wird. In der zugehörigen Kneipe wartet schon Antje Müller vom Nato-Verein.

Seinen Namen bekam das Haus schon zu DDR-Zeiten verpasst, berichtet die 33-Jährige. Im Volksmund hieß „das Kulturhaus der nationalen Front“, so der offizielle Titel, schon damals „Nato“. Noch vor der Wende entwickelte sich der Ort zu einem subversiven Treffpunkt. „Ab '82 fanden hier Veranstaltungen statt, die sich die Staatsoberen der DDR so nicht vorgestellt haben“, so Müller. Dann kamen die wilden Neunziger – mit exzessiven Partys, aber auch hochrangigen Jazzkonzerten.

Heute richte sich die Veranstaltungen an ein breites Publikum, von Kabarett, über Konzerte, Theater und Kino bis zu Lesungen und Diskussionen. „Unser Anspruch ist es, Kultur für alle anzubieten“, sagt Antje Müller. Das heißt auch: die Preise erschwinglich zu halten. „Bei einem Eintritt von 20 Euro haben wir schon Bauchschmerzen.“ Beim Programm ist der Verein ein bisschen weggekommen von osteuropäischer Weltmusik, so Müller weiter, heute werde dafür mehr Theater gezeigt. Und Larsen Sechert steht natürlich regelmäßig auch hier auf der Bühne, mitten im Zentrum seines Kiezes.

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„Die Nato war hier das erste, was es gab in der Südvorstadt, damit ging's los“, sagt Antje Müller vom Nato-Verein. Ohne die Nato wäre die Karli nicht die Karli geworden, ist sie sich sicher.
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Texte und Videointerviews: Gina Apitz
Fotos und Videodreh: Dirk Knofe, André Kempner, Leibniz Insitut für Länderkunde
Drohnenflug und Logo: Patrick Moye
Schnitt: Felix Ammenn (Leipzig Fernsehen)
Konzept und Produktion: Gina Apitz

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