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Auf Streifzug durch den Kiez: In der Serie "Mein Viertel" führen Leipziger durch ihren Stadtteil, zeigen Lieblingsplätze und Schandflecken. In Teil 3 spaziert Cafébesitzer Jens Waschipky durch sein Schleußig.

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Dass Schleußig sich in den vergangenen Jahren verändert hat, das merkt Jens Waschipky auch am Brötchenverkauf: „Die Leute fahren über lange Wochenenden viel häufiger weg als früher. Also kaufen sie am Tag vor dem Feiertag immer Unmengen ein“, erzählt er. Waschipky führt das auf die Gentrifizierung zurück, auf steigende Mieten und die Tatsache, dass der durchschnittliche Schleußiger heute mehr Geld hat als vor zehn Jahren.


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Waschipky ist immer für ein Gespräch zu haben.
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Seit 2008 hat Waschipky sein „Café WB“ auf der Könneritzstraße. Der Laden ist das Herz dieser Ecke in Schleußig. Im Sommer gibt es Eis, und die Croissants kommen aus Frankreich, außerdem gibt es Kuchen, Galettes und Brötchen. Die Bohnen für den Kaffee kauft der Gastronom in der Rösterei ein paar Straßen weiter.

Waschipky kennt das ganze Viertel. Läuft man mit ihm durch die Straßen, grüßt er eigentlich jeden, weiß genau, welche Hunde zutraulich sind und welche besser nicht gestreichelt werden sollten.

Steht er hinter seiner Theke, hält Waschipky gern ein Schwätzchen, immer lustig, nie aufdringlich. Seit ein paar Monaten macht er zum Ausgleich Qi Gong, das Studio ist nur ein paar Meter entfernt von seinem Café, ein bisschen versteckt in einem Hinterhof in der Oeserstraße.

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Waschipky ist immer für ein Gespräch zu haben.
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Jens Waschipky ist Chef des Café WB

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Qi Gong-Studioinhaber Erik Gebauer ist ein ruhiger Mann mit langen, zum Dutt gebundenen Haaren. Seit Winter 2015 hat er das Studio, er wohnt gleich um die Ecke. Schleußig schätzt er vor allem für sein „friedliches und freundliches Miteinander“, sagt er. „Überall stehen Geschenke-Boxen an der Straße, in meinem Haus feiern wir Feste zusammen.“ Früher wohnte Erik auf der Karl-Heine-Straße. „Dort war mehr Energie, hier ist es deutlich ruhiger.“

„Schleußig ist ja sozusagen eine Insel des Schlafs“, fällt Waschipky ein. Das stimmt. Es gibt nur eine Handvoll Bars, nachts sind die Straßen ruhig. Viele Familien leben hier, und im Sommer drängen sich die Kinder um die Eisausgabe des Café WB.

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Weiter geht es auf die Könneritzstraße. Im „Bilderbogen“, der gleichzeitig Laden und Galerie ist, wartet schon Inhaber Stephan Völkner.

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Wenn die Busse mit den Touristen beim Bootsverleih am Kanal halten und die Besucher noch ein bisschen Zeit haben bis das Schiff ablegt, schickt Waschipky sie gern hundert Meter weiter, in den „Bilderbogen“.

Seit acht Jahren führt Inhaber Stephan Völkner den Laden. Sein Konzept: Er rahmt Bilder und Plakate, verkauft ein paar Postkarten, und er fördert lokale Künstler, indem er ihre Werke ausstellt. Alle drei Monate gibt es eine neue Schau, zu den Vernissagen kommt ein fester Stamm von Besuchern. Dann stehen vor dem Laden Menschen mit Weingläsern in der Hand auf dem Bürgersteig – ein eher ungewöhnlicher Anblick an diesem Ende der Könneritzstraße.

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Hinter der Beratungstheke stellt Völkner 3000 verschiedene Arten von Bilderrahmen aus.

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In den Hinterräumen liegt seine Werkstatt. Individuelle und kompetente Beratung, darauf setzt er. Dass das mehr kostet, als ein Rahmen aus dem Möbelhaus, wissen seine Kunden.

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In Schleußig gehe alles ein bisschen langsamer als in anderen Teilen der Stadt, hat Waschipky das Gefühl. „Der Hype kommt hier nicht so schnell an, die Infrastruktur platzt nicht aus allen Nähten.“

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Schleußig, das ist mittlerweile eine ziemlich bunte Mischung. Die Dönerbude an der Ecke ist der In-Treffpunkt der Jugendlichen des Viertels, der schicke Laden mit der nachhaltigen Kleidung ein paar Hausnummern weiter wäre auch in Berlin-Mitte nicht fehl am Platz, im Waschsalon daneben ist immer was los.

Die Kioskbesitzerin ist stets für ein Schwätzchen zu haben – und bestellt selbstverständlich auch Mini-Kontingente von Magazinen, die nur zwei Personen im Viertel lesen wollen. Das Miteinander, das sei hier eine Besonderheit, sagt Waschipky, nicht nur unter Händlern, sondern auch unter allen Bewohnern.

Natürlich weiß er, was das zehnjährige Mädchen, das am Nachmittag in sein Café kommt, gleich bestellen wird. Und natürlich liegt im Winter neben seiner Theke ein Föhn bereit – für die geplagten Brillenträger, die vor beschlagenen Gläsern die Brötchen in der Auslage nicht erkennen können.

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Absolute Ruhe am Kanal

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Und wenn Waschipky mal genug hat vom vielen Scherzen und Reden, vom Smalltalk und vom Helfen, dann kommt er an seinen Lieblingsplatz an der Weißen Elster. Auf einer Wurzel kann er dort ganz bequem sitzen und aufs Wasser schauen, in der Nähe brüten die Eisvögel. „Wenn du ein paar Minuten ganz ruhig sitzt, dann flitzen sie hier hin und her“, sagt er. Die Dynamik aus der Stadt ist wie weggeblasen, keine Boote kommen vorbei, kaum Menschen sind hier unterwegs. Auch diese Ruhe, sagt er, mache für ihn den Charme von Schleußig aus.

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Texte, Videointerview und Produktion: Sophie Aschenbrenner
Fotos und Videodreh: Dirk Knofe
Logo: Patrick Moye
Schnitt: Felix Ammenn (Leipzig Fernsehen)
Konzept: Gina Apitz

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Kapitel 1 Zuhause in Schleußig

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Kapitel 2 Zusammenhalt ist den Händlern hier wichtig

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